If Books Could Kill von Kate Eberle – Rezension - Rezensionsexemplar
Es gibt diese Bücher, bei denen man die Idee mehr liebt als das fertige Werk. Genau dieses Gefühl hatte ich bei "If Books Could Kill" von Kate Eberle, einem Roman, der Romance und Thriller verschmelzen lassen will und dabei eine herrlich selbstreferentielle Prämisse mitbringt: Roxie Mitchell, leidenschaftliche Liebesroman-Leserin, wünscht sich scherzhaft, die Heldin im nächsten Buch ihrer Lieblingsautorin zu sein. Ihr Wunsch geht in Erfüllung, nur dass sie statt in einer Romance plötzlich mitten in einem Thriller landet.
Als Leserin
Ich habe dieses Buch mit der Hoffnung auf genau die richtige Mischung aus Herzklopfen und Nervenkitzel begonnen, die der Klappentext verspricht. Die Ausgangssituation ist charmant, fast wie eine Liebeserklärung an alle, die selbst gerne lesen und sich schon einmal gewünscht haben, Teil ihrer Lieblingsgeschichte zu sein. Leider konnte mich das Buch über weite Strecken nicht emotional einfangen. Roxie blieb mir seltsam fern, und auch zu Grant, dem schüchternen Literaturdozenten, an dessen Seite sie flieht, baute sich für mich keine echte Verbindung auf. Wenn ich mit den Figuren nicht mitfühle, verliert auch die äußere Spannung an Wirkung, egal wie gefährlich die Situation eigentlich sein soll. Das Herzklopfen, das ich mir erhofft hatte, blieb leider größtenteils aus.
Als Lektorin
Handwerklich liegt für mich der größte Schwachpunkt im Spannungsbogen. Ein Thriller-Plot lebt davon, dass die Bedrohung kontinuierlich wächst und der Leser nie ganz zur Ruhe kommt. Genau das hat mir hier gefehlt. Es gibt Phasen, in denen die Handlung deutlich an Tempo verliert, und diese Längen schwächen die Dringlichkeit, die eigentlich von Killern, die einem auf den Fersen sind, ausgehen sollte. Auch die Motivation von Jack, dessen doppeltes Spiel den zentralen Konflikt antreibt, hätte ich mir differenzierter gewünscht. Wenn der Antagonist nicht greifbar wird, verliert auch die Bedrohung an Substanz. Die Grundidee, eine Genre-Verschmelzung aus Romance und Thriller mit einer charmanten Metaebene rund ums Lesen selbst, ist clever angelegt. Aber eine gute Idee allein trägt eine Geschichte nicht, wenn die Charakterarbeit und der Spannungsaufbau ihr nicht das nötige Fundament geben.
Als Autorin
Für mich persönlich ist genau das die spannendste Lektion aus diesem Buch. Eine originelle Prämisse öffnet eine Tür, aber sie ersetzt nicht die Arbeit, die danach kommt. Gerade bei Genre-Mischungen wie dieser, wo zwei unterschiedliche Erzähllogiken aufeinandertreffen, Romance mit ihrer emotionalen Tiefe und Thriller mit seinem Tempo und seiner Bedrohung, braucht es besonders sorgfältige Figurenarbeit, damit beide Ebenen tragen. Ich nehme mir aus der Lektüre mit, wie wichtig es ist, dass Nebenfiguren und Antagonisten eine klare innere Logik haben, gerade wenn sie den Plot antreiben sollen. Eine charmante Idee kann der Türöffner sein, aber die Umsetzung entscheidet, ob ein Buch im Gedächtnis bleibt oder eben nicht.
Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. "If Books Could Kill" hat eine Idee, die ich richtig mag, und einen Mut zur Genre-Mischung, den ich grundsätzlich begrüße. Was fehlt, ist die konsequente Umsetzung auf Figurenebene und ein Spannungsbogen, der seine eigenen Möglichkeiten besser ausschöpft. Wer Genre-Mischungen liebt und sich von einer originellen Prämisse mitnehmen lässt, ohne zu viel Tiefgang zu erwarten, kann hier durchaus Spaß haben. Wer klassische, geradlinige Spannung oder emotional dichte Romance sucht, wird vermutlich enttäuscht. Von mir gibt es 2,5 von 5 Sternen, vor allem für eine Idee, die mehr Ausarbeitung verdient hätte.