The Book of Witching von C. J. Cooke, Rezension - Rezensionsexemplar

Es gibt Bücher, an die ich mich nur traue, weil mir jemand vorher versichert hat, dass es nicht zu schlimm wird. The Book of Witching von C. J. Cooke war so ein Fall. Ich lese kaum Horror, und die Vorstellung, ein Buch über Hexenprozesse und einen jahrhundertealten Fluch zu lesen, hat mich erst einmal zögern lassen. Am Ende war genau diese Skepsis der Grund, warum mich das Buch so überrascht hat.

Als Leserin

Cooke erzählt zwei Geschichten gleichzeitig. 1594 wird Alison Balfour auf den Orkney-Inseln der Hexerei beschuldigt, ein Fall, der auf einem realen historischen Prozess beruht. Parallel dazu sitzt Clem über vierhundert Jahre später am Krankenbett ihrer Tochter Erin, die nach einem Unfall auf denselben Inseln aus dem Koma erwacht und behauptet, eine andere Person zu sein. Was mich emotional am meisten erreicht hat, war nicht der Hexenplot selbst, sondern die Verzweiflung von Clem, die ihre Tochter vor sich sieht und sie trotzdem nicht wiedererkennt. Der Horror-Anteil hat mich nie überfordert. Cooke setzt auf eine langsam wachsende Beklemmung statt auf Schockmomente, und genau das hat mich bei der Stange gehalten, ohne dass ich das Buch zwischendurch weglegen musste.

Als Lektorin

Handwerklich ist die größte Leistung dieses Romans die Führung der beiden Zeitebenen. Bei Dual-Timeline-Strukturen kippt die Balance oft, eine Ebene zieht die Aufmerksamkeit, die andere wird zur Pflichtübung. Hier passiert das nicht. Alison ist keine bloße Vorgeschichte für die Gegenwartshandlung, sie hat eine eigene, nachvollziehbare Motivation, einen eigenen Konflikt und eine Stimme, die sich klar von der modernen Erzählebene unterscheidet. Die Kapitelenden setzen Cliffhanger sehr bewusst, oft direkt am Übergang zwischen den Zeitebenen, was den Sog des Buches deutlich verstärkt. Etwas kritischer sehe ich den Schlussakt. Nachdem der Mittelteil so geduldig aufgebaut wurde, wirken die letzten Kapitel komprimiert, einige Fäden laufen mir persönlich etwas zu schnell zusammen, gerade was die Auflösung der übernatürlichen Elemente betrifft.

Als Autorin

Für meine eigene Arbeit an meinem Fantasy-Roman war dieses Buch ein gutes Lehrstück in Geduld. Ich arbeite selbst mit mehreren POV-Strängen, und Cooke zeigt sehr genau, wie man zwei Zeitebenen so verzahnt, dass keine als Lückenfüller wirkt. Besonders mitgenommen habe ich, wie viel Raum die historische Figur bekommt, statt nur als Spiegel für die Gegenwartshandlung zu funktionieren. Gleichzeitig hat mich der Schlussakt daran erinnert, wie wichtig es ist, sich für die Auflösung genauso viel Zeit zu nehmen wie für den Aufbau. Ein Roman, der über weite Strecken so sorgfältig komponiert ist, verdient ein Ende, das diesem Tempo treu bleibt.

The Book of Witching ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie viel ein gut dosierter Horror-Anteil bewirken kann, wenn die eigentliche Stärke des Buches woanders liegt, nämlich in der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrer Tochter und in der klugen Verzahnung zweier Zeitebenen. Vier von fünf Sternen, mit einem kleinen Abzug für einen Schluss, der mir gerne noch etwas mehr Raum gehabt hätte.

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