People in Love – Claire Daverley | Buchrezension - Rezensionsexemplar

Als Leserin

Es gibt Bücher, bei denen schon der Klappentext eine Frage aufwirft, die ich kenne. Zehn Jahre Beziehung, ein unerwarteter Heiratsantrag, und dann: die Rückkehr von jemandem, den man nie ganz losgelassen hat. Claire Daverley erzählt in "People in Love" genau von diesem Moment, in dem das Leben, das man aufgebaut hat, und das Leben, das man vielleicht hätte führen können, plötzlich nebeneinanderstehen.

Ich wollte mitgerissen werden. Ich wollte mit Nora zittern, mit ihr hadern, ihre Zerrissenheit spüren. Und es gibt Momente im Roman, in denen das kurz aufflackert: wenn die alte Vertrautheit mit Bren durchscheint, wenn Noras Beziehung zu Robin in ihrer alltäglichen Wärme greifbar wird. Daverley hat ein gutes Gespür dafür, wie sich eine lange, funktionierende Beziehung anfühlt, und das ist gar nicht so einfach zu schreiben.

Aber ich bin über weite Strecken auf Abstand geblieben. Nora hat mich nicht mitgenommen. Nicht weil ich sie nicht mochte, sondern weil ich nie das Gefühl hatte, wirklich neben ihr zu stehen, wenn sie die Entscheidungen trifft, die ihr Leben bestimmen werden. Das ist schade, denn die Themen des Romans hätten das Potenzial gehabt, mich lange zu beschäftigen.

Als Lektorin

Wenn ich "People in Love" mit dem Blick der Lektorin lese, wird klarer, wo das Problem liegt: Nora ist als Protagonistin zu passiv angelegt für eine Geschichte, die von innerer Zerrissenheit handeln soll. Passiv bedeutet hier nicht, dass sie keine Entscheidungen trifft. Es bedeutet, dass ihre inneren Konflikte zu selten nach außen dringen, zu selten sprachlich greifbar werden. Die Erzählstimme bleibt gleichmäßig und gefasst, auch dort, wo sie eigentlich aufbrechen müsste.

Das hängt auch mit Bren zusammen. Als Figur trägt er enorm viel Gewicht in dieser Geschichte: Er ist der Grund, warum Noras sicher geglaubte Zukunft ins Wanken gerät. Aber er bleibt zu sehr Katalysator und zu wenig Mensch mit eigenem inneren Leben. Was treibt ihn an? Was hat er in den Jahren gedacht, gelitten, entschieden? Der Roman gibt uns darauf nur sehr dosierte Antworten, und das schwächt den Kern des Liebesdreieck-Konflikts.

Die Konfliktarchitektur ist grundsätzlich solide aufgebaut: Die Prämisse funktioniert, die Ausgangslage ist klar, die Stakes sind vorhanden. Was fehlt, ist die Zuspitzung. Der Roman temperiert seinen Spannungsbogen so gleichmäßig, dass die Stellen, die explodieren müssten, nur schwelen. Das ist eine handwerkliche Entscheidung, die ich verstehe, sie schafft eine ruhige, getragene Atmosphäre. Aber sie hat ihren Preis.

Als Autorin

Was ich aus der Lektüre mitnehme, ist eine Frage, die mich auch bei meiner eigenen Arbeit beschäftigt: Wie viel Kontrolle darf eine Erzählstimme haben? Und wann wird Kontrolle zur Distanz?

Daverley schreibt präzise und bewusst. Das ist eine Stärke. Aber "People in Love" hat mich daran erinnert, dass Figuren in Ausnahmesituationen auch die Kontrolle verlieren dürfen, vielleicht sogar müssen. Wenn die Sprache so ruhig bleibt, dass sie die innere Lage der Figur nicht mehr widerspiegelt, entsteht eine Lücke zwischen dem, was erzählt wird, und dem, was der Leser spüren soll.

Für mein eigenes Schreiben notiere ich: Stil muss atmen mit dem, was die Figur gerade durchlebt. Das klingt offensichtlich, aber es umzusetzen ist schwieriger als es sich anhört. Manchmal ist ein gleichmäßiger Ton eine unbewusste Schutzschicht, die die Autorin zwischen sich und den Schmerz der Figur legt. Das merkt man als Leserin, auch wenn man nicht sofort benennen kann, warum.

Drei Sterne für einen Roman, der die richtigen Fragen stellt und dabei für mein Empfinden zu oft auf halbem Weg stehen bleibt. Wer ruhige, nachdenkliche Liebesromane mag und sich an einer eher beobachtenden Protagonistin nicht stört, wird mehr damit anfangen können als ich.

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