Cursed for Good von Amy Coombe – 3-Blickwinkel-Rezension - Rezensionsexemplar

Manchmal merkt man schon nach den ersten Seiten, in welche Schublade ein Buch gehört, und manchmal ist genau das auch schon die ganze Geschichte, die man darüber erzählen kann. Cursed for Good von Amy Coombe gehört für mich in diese zweite Kategorie. Die Cozy-Romantasy um Prinzessin Tandy, die durch einen Fluch in einem Buchladen festsitzt und einen ziemlich attraktiven Piraten kennenlernt, ist genau das Buch, das der Klappentext verspricht, nicht mehr und nicht weniger. Und genau das macht es so interessant, es aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Als Leserin

Ich gebe zu, ich bin mit sehr viel Sympathie an dieses Buch herangegangen. Schon die Grundidee, eine Prinzessin, die ihren vermeintlichen Fluch insgeheim als willkommene Pause von ihrem anstrengenden royalen Alltag empfindet, hat mich sofort eingenommen. Diese kleinen Brüche im klassischen Märchenbild, die beißenden Feen, die sich verfangenden Kronen, die endlosen Eröffnungszeremonien, geben dem Buch von Anfang an eine warme, humorvolle Note, die ich beim Lesen sehr genossen habe.

Tandy ist eine Heldin, der ich gerne gefolgt bin, gerade weil sie nicht ständig nach Bestätigung sucht, sondern ihre eigene, leicht eigensinnige Sicht auf ihr Schicksal hat. Die Wortgefechte mit dem Piraten gehören für mich zu den stärksten Momenten im Buch, hier stimmt die Chemie, und der Humor trägt die Szenen mühelos.

Was mich allerdings irritiert hat, war der Mittelteil. Dort hatte ich mehrfach das Gefühl, an der gleichen Stelle stehen zu bleiben, ohne dass die Geschichte wirklich vorankommt. Für ein Buch, das so leichtfüßig beginnt, war das ein spürbarer Bruch im Lesefluss, der mich an manchen Stellen tatsächlich zum Überblättern verlockt hat.

Als Lektorin

Aus handwerklicher Sicht liegt genau hier auch die Wurzel des Problems. Cursed for Good baut seinen ersten Akt auf einer einzigen, charmanten Ausgangsidee auf, die anfangs gut trägt, im weiteren Verlauf aber keine zweite Konfliktebene bekommt, die den Spannungsbogen oben halten könnte. Das Ergebnis ist ein Mittelteil, in dem ähnliche Szenen, Tandy und der Pirat necken sich, die Prinzen werben erfolglos um sie, wiederholt aufgegriffen werden, ohne dass sich die Figuren dabei wirklich weiterentwickeln.

Auch bei der Erzählökonomie hätte ich mir mehr Mut gewünscht. Slow Burn, Haters to Lovers und Found Family sind alle drei vorhanden, sie werden aber additiv nebeneinander erzählt statt ineinander verwoben, sodass keiner der drei Handlungsstränge die anderen wirklich verstärkt. Gerade Found Family hätte hier das Potenzial gehabt, dem Buch eine zusätzliche emotionale Tiefe zu geben, bleibt aber weitgehend an der Oberfläche.

Die Nebenfiguren leiden besonders unter dieser fehlenden Verzahnung. Die Shopassistentin mit den tollpatschigen Drachenflügeln ist eine hübsche Idee für comic relief, bekommt aber nie genug Raum, um zu einer eigenständigen Figur mit eigener Motivation zu werden. Sie bleibt Funktion statt Persönlichkeit, und das ist schade, weil gerade Found-Family-Geschichten von genau solchen Nebenfiguren leben.

Als Autorin

Was mich als Autorin an diesem Buch am meisten beschäftigt, ist die Frage, wie viel erzählerisches Risiko man eingehen darf, wenn man mit etablierten Tropes arbeitet. Cursed for Good entscheidet sich konsequent für die sichere Variante, es bedient die Erwartungen seiner Zielgruppe zuverlässig, ohne an irgendeiner Stelle wirklich zu überraschen.

Das ist keine Schwäche, die ich dem Buch vorwerfen möchte, eher eine Erkenntnis, die ich für meine eigene Arbeit mitnehme. Gerade bei einer so charmanten Ausgangsidee wie dem verfluchten Buchladen hätte eine einzige unerwartete Wendung im Mittelteil gereicht, um aus einem soliden Cozy-Romantasy-Buch ein wirklich denkwürdiges zu machen. Es zeigt mir, wie wichtig es ist, gerade dort, wo man sich auf vertraute Tropes verlässt, mindestens eine Stelle einzubauen, an der man die Erwartung der Leserschaft bewusst unterläuft.

Auch der Umgang mit Nebenfiguren ist für mich eine wertvolle Lektion. Es reicht nicht, einer Figur eine witzige Eigenschaft zu geben, sie braucht auch einen eigenen kleinen Bogen, sonst bleibt sie Staffage. Für mein eigenes Worldbuilding und meine Figurenentwicklung nehme ich genau diesen Gedanken mit, lieber eine Nebenfigur weniger, aber dafür eine, die wirklich trägt.

Cursed for Good ist am Ende ein Buch, das genau weiß, was es sein will, und das in seinem eigenen Rahmen auch gut funktioniert. Als Leserin habe ich mich amüsiert und an manchen Stellen die Geduld verloren, als Lektorin sehe ich vor allem ein Pacing-Problem, und als Autorin nehme ich eine kleine, aber wichtige Lektion über Mut zur Überraschung mit. Drei von fünf Sternen, mit viel Sympathie für die Idee und etwas Wehmut für das, was handwerklich noch drin gewesen wäre.

Zurück
Zurück

Seitentitel: Die unendliche Geschichte Hörbuch, Stefan Kaminski - Rezensionsexemplar

Weiter
Weiter

If Books Could Kill von Kate Eberle – Rezension - Rezensionsexemplar