Jo-Anne, der Buchpodcast – über Enemies to Lovers, Second Chances und die Frage, wann ein Trope zum Klischee wird
Diesmal haben wir mitten im Wald an einer Weide aufgenommen, und ein paar Kühe haben zugeschaut. Passender wäre der Trope „Small Town“ kaum gewesen. Das Thema der Folge ist eins, über das in der Bookbubble gerade alle reden: Tropes.
Was ist ein Trope überhaupt?
Ein Trope ist ein Handlungsmuster, das in Büchern immer wieder auftaucht. Die bekanntesten kennst du bestimmt: Enemies to Lovers, Grumpy x Sunshine, Second Chance, Slow Burn, Found Family. Die Begriffe sind fast alle englisch. Eine gute deutsche Übersetzung gibt es nicht, „Aus Feinden werden Liebende“ klingt eher nach Telenovela.
Wir haben versucht, das sauber auseinanderzuhalten:
Genre ist der große Rahmen, zum Beispiel Fantasy.
Subgenre ist die feinere Schublade, zum Beispiel Urban Fantasy oder Dark Academia.
Trope ist das konkrete, wiedererkennbare Muster. Es kann in jedem Genre vorkommen, auch wenn wir manche Tropes vor allem mit bestimmten Genres verbinden.
Trope, Klischee, Stereotyp – wo ist die Grenze?
Ein Trope wird zum Klischee, wenn nur noch das Muster da ist und keine Tiefe mehr. Ein gutes Beispiel ist Grumpy x Sunshine: Wenn die Sunshine-Figur nur noch strahlt und keinerlei Ambivalenz hat, ist das keine Figur mehr, sondern eine Schablone. Bei Stereotypen ist es ähnlich. Da wird eine Schublade aufgemacht und immer wieder dasselbe herausgeholt. Wir haben auch darüber gesprochen, warum wir auf manche Tropes anspringen und andere ablehnen. Das hat vermutlich viel damit zu tun, wie wir aufgewachsen sind.
Ersetzen Tropes den Klappentext?
Viele Verlage drucken Tropes inzwischen direkt aufs Cover. Das ist praktisch, weil du sofort siehst, ob ein Buch zu dir passt. Gleichzeitig wird das schnell zum Problem:
Versprechen, die nicht gehalten werden. In unserem Buchclub hatten wir mehrere „Enemies to Lovers“-Bücher, in denen die Figuren nie Feinde waren. Wenn ein Trope eine Erwartung weckt und das Buch sie nicht einlöst, kann dir das die ganze Leselust nehmen.
Spoiler durchs Cover. Ein deutscher Fantasyroman lässt am Ende von Band eins bewusst offen, ob das Paar sich trennt. Auf Band zwei steht dann „Second Chances“. Die Spannung war damit weg, bevor wir die erste Seite gelesen hatten.
Einheitsbrei. Wenn sich ein Trope gut verkauft, schreiben ihn plötzlich alle. Bei den Covern ist es ähnlich: Ein Schwert im Nebel haben wir inzwischen sehr oft gesehen.
Unsere Lieblinge und unsere No-Gos
Second Chance ist für eine von uns ein klares Nein, nach dem Motto: einmal vorbei, immer vorbei. Insta Love kommt auch nicht gut weg. Slow Burn dagegen lesen wir sehr gerne, und Small-Town-Settings auch, während New York langsam auserzählt wirkt. Lustig fänden wir, wenn Tropes mal das Genre wechseln würden: Enemies to Lovers im Thriller oder Found Family im Horror.
Der Blick aus Autorinnen- und Lektoratssicht
Tropes können beim Schreiben helfen, eine Richtung zu finden. Die meisten Autorinnen und Autoren verwenden sie, auch wenn sie sie nicht so nennen. Schwierig wird es, wenn ein Trope nur eingebaut wird, weil er gerade gehypt ist. Dann entstehen oft Szenen, die nichts zur Handlung beitragen.
Ein Beispiel aus einem eigenen Projekt: Zwei Figuren arbeiten für unterschiedliche Firmen und treten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Sind das Feindinnen? Eher nicht, sondern Rivalinnen, denn sie kannten sich vorher gar nicht. Für Feindschaft braucht es offenbar eine gemeinsame Vorgeschichte.
Dazu kommt die große Frage: Schreibst du ein Buch, weil der Markt es so will, oder weil du diese eine Geschichte erzählen willst? Kleine Anpassungen für einen Verlag sind für uns denkbar. Die Kernbotschaft für bessere Verkaufszahlen umzubauen, kommt aber nicht infrage. Wir sorgen uns auch, dass der starke Trope-Fokus manche Autorinnen und Autoren mit ungewöhnlichen Ideen verunsichert. Das ist eine Art Marktangst, die dazu führen kann, dass gute Bücher nie erscheinen.
Außerdem in der Folge
Enemies to Lovers auf Badisch, mit Oma Hannelore und einem Stallburschen
Unser HappyEnding des Monats, darunter ein Jahr Bookstagram
Eure Fragen: Wie schafft man Content, Lektorat, Schreiben und Lesen gleichzeitig? Und was hilft, wenn die Motivation mal weg ist?
Ein Themenwunsch für später: Was ein Cover kostet und warum Selfpublishing schnell zum Minusgeschäft werden kann
Jetzt bist du dran
Welcher Trope ist dein Liebling, und welcher ist ein absolutes No-Go für dich? Wann hat dich ein Trope-Versprechen auf dem Cover schon mal enttäuscht? Und wenn du gute Slow-Burn-Empfehlungen hast: Schreib sie uns gerne in die Kommentare oder auf Instagram unter @itsnotabouthappyendings.
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