Harry-Potter-Special: Warum "Der Stein der Weisen" auch als Erwachsene noch trägt

Manche Bücher liest man einmal in der Kindheit und dann nie wieder. Andere begleiten einen ein Leben lang, ohne dass man genau weiß, warum. Bei uns ist das Harry Potter. Für unsere aktuelle Jo-Anne-Folge haben wir deshalb etwas gemacht, das wir sonst nie tun: kein Generator, kein Zufall, sondern ganz bewusst ein Special. Anne hat "Der Stein der Weisen" auf Englisch gelesen, Johanna auf Deutsch, direkt danach kam jeweils der Film dazu. Und dann haben wir verglichen, diskutiert, gestritten – und ganz nebenbei gemerkt, wie viel wir als Kinder eigentlich überlesen haben.

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Warum ausgerechnet jetzt noch mal Harry Potter?

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Der Auslöser war eigentlich ein ganz anderes Projekt: ein eigenes Jugendbuch, an dem gerade gearbeitet wird. Und wenn man sich fragt, welche Jugendbücher einen selbst geprägt haben, kommt bei uns beiden sofort dieselbe Antwort: Harry Potter. Keine große Überraschung vielleicht, aber trotzdem ein guter Anlass, noch mal ganz genau hinzuschauen. Denn das letzte Mal, dass die Bücher gelesen wurden, liegt bei beiden über zehn Jahre zurück – aus einer Zeit, in der man Buch und Film sowieso nicht mehr sauber auseinanderhalten konnte, weil zu viel Zeit dazwischenlag.

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Diesmal war das anders: erst lesen, dann sofort den Film schauen, ganz bewusst als Vergleich. Und siehe da – die Unterschiede sind zahlreicher, als man in Erinnerung hat.

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Buch schlägt Film – aber nicht immer

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Ganz grundsätzlich gilt: Das Buch ist im Detail einfach reicher. Szenen, die im Film komplett fehlen oder nur angedeutet werden, entfalten im Buch ihre eigentliche Wirkung. Ein paar Beispiele, die uns besonders hängen geblieben sind:

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  • Die Zoo-Szene an Dudleys Geburtstag fehlt im Film fast komplett – inklusive Dudleys Kumpel Piers, der im Buch klarmacht, wie sehr Harry hier eigentlich nur unfreiwilliger Mitläufer ist.

  • Onkel Vernons Ausraster mit der Familienflucht wirkt im Buch viel absurder, weil man den ganzen Eskalationsweg dorthin mitbekommt. Im Film fehlt dieser Vorlauf einfach.

  • Die Szene bei Ollivander mit Malfoy gibt es im Film gar nicht – dabei erklärt genau sie, warum Harry Slytherin später so entschieden ablehnt. Im Film wirkt das eher wie eine reine Übernahme von Rons Meinung.

  • Peeves, der Poltergeist, taucht im ersten Film überhaupt nicht auf. Schade eigentlich, denn im Buch ist er ein hübsches kleines Chaos-Element.

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Nicht jede Änderung ist aber ein Verlust. Beim Drachen, den Hagrid großzieht, sind wir uns einig: Im Film funktioniert die Szene sogar besser als im Buch, wo sie eher wie ein unnötiger Umweg wirkt. Und bei der Rettung durch Fluffy, den dreiköpfigen Hund, gewinnt für uns klar der Film – eine Harfe, die aufhört zu spielen, ist einfach eleganter gelöst als Hagrids Flöte im Buch.

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Die Charaktere, die uns noch mal überrascht haben

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Hagrid ist und bleibt unser gemeinsamer Lieblingscharakter aus Band eins – herzlich, tollpatschig, und im Buch noch mit viel mehr kleinen Momenten ausgestattet als im Film. Etwa die Szene, in der er Dudley zunächst für Harry hält, inklusive Schweineschwänzchen. Nur im Buch, aber unbedingt sehenswert.

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Auch die Weasleys kommen im Buch deutlich öfter vor als im Film – und besonders seit man selbst Kinder hat, merkt man erst, wie liebevoll diese Familie gezeichnet ist. Fast wie ein kompletter Setkasten an Identifikationsfiguren: das schüchterne jüngste Mädchen, Ron als eher durchschnittlicher Mittlerer, die Zwillinge mit ihrer Was-solls-Mentalität, Percy als Besserwisser. Jede und jeder findet sich irgendwo wieder.

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Bei Hermine war's spannend: Im Film wirkt sie zu Beginn deutlich arroganter als im Buch. Kein Wunder, dass sie bei vielen erst nach der Troll-Szene wirklich sympathisch wird – genau der Moment, in dem aus drei Einzelpersonen ein Trio wird: "Von diesem Augenblick an war Hermine Granger ihre Freundin." Manche Freundschaften entstehen eben nicht trotz, sondern wegen einer Katastrophe.

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Kleine Details, große Wirkung

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Was uns beim erneuten Lesen besonders aufgefallen ist: wie viel Vorarbeit hier schon im ersten Band steckt. Krätze, das vermeintlich harmlose Rattenhaustier, wird schon hier als kleines Foreshadowing eingeführt. Der Spiegel Nerhegeb taucht auf und wird später noch wichtig. Und das Zauberschach, das im ersten Band eher nebenbei erscheint, zieht sich als Motiv durch die ganze Reihe.

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Auch erzählerisch steckt mehr dahinter, als man als Kind vermutlich mitbekommen hat: Die Geschichte beginnt bewusst nicht aus Harrys Perspektive, sondern aus der der Dursleys – wodurch man Harry erst durch die Augen anderer kennenlernt. Und die Wahl der dritten Person erlaubt Szenen wie die mit McGonagall als wartende Katze, die Harry selbst so nie hätte miterleben können.

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Fazit: Mehr als nur Nostalgie

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"Der Stein der Weisen" noch einmal ganz bewusst zu lesen, war keine reine Nostalgie-Übung. Es hat sich gezeigt, wie viel handwerkliches Können in diesem vermeintlichen Kinderbuch steckt – von cleverem Foreshadowing über durchdachtes Worldbuilding bis hin zu Figuren, die auch nach zwanzig Jahren noch tragen. Genau deshalb wird es bei uns nicht bei diesem einen Special bleiben: Jeder weitere Band bekommt seine eigene Folge. In der nächsten geht's unter anderem um die Frage, wer eigentlich der geheimnisvolle "Fluchtwagenfahrer" ist – und was J.K. Rowling möglicherweise "geklaut" haben soll.

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Neugierig geworden? Dann hör direkt in die Folge rein – überall, wo es Podcasts gibt.

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Habt ihr Harry Potter auch noch mal als Erwachsene gelesen? Was ist euch aufgefallen, das ihr als Kind völlig überlesen habt? Schreibt's uns auf Instagram @itsnotabouthappyendings – wir sind gespannt.

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