Buddy Read: "The Darkest Gold" von Raven Kennedy – unsere Dark-Romance-Buchbesprechung
In Folge 3 unseres Podcasts widmen wir uns unserem zweiten großen Steckenpferd: Dark Romance. Nachdem wir uns in einer früheren Folge schon grundsätzlich mit dem Genre auseinandergesetzt haben, war jetzt Zeit für die Praxis – wir haben gemeinsam als Buddy Read The Darkest Gold, den ersten Band von Raven Kennedys "The Plated Prisoner"-Reihe, gelesen und besprechen ihn ausführlich in der Folge. Hier fassen wir die wichtigsten Punkte für euch zusammen.
Wer ist Raven Kennedy?
Raven Kennedy stammt aus Kalifornien und ist über ihre eigene Leseleidenschaft zum Schreiben gekommen. Den internationalen Durchbruch hat ihr die "The Plated Prisoner"-Reihe beschert, allen voran The Darkest Gold. Ursprünglich als Trilogie geplant, wurde daraus eine sechsbändige Reihe, weil ihr beim Schreiben schlicht der Stoff nicht ausging. Interessant: Band drei soll ihr trotz – oder gerade wegen – des größten Arbeitsaufwands mittlerweile zum Lieblingsband geworden sein.
Kennedy arbeitet gerne mit Mythologie als Grundgerüst, sucht sich dabei aber bewusst Stoffe abseits des Mainstreams aus. Für ihr aktuelles Projekt lässt sie sich sogar vom deutschen Sagenstoff des Rattenfängers von Hameln inspirieren – wir sind gespannt, was daraus wird. In Deutschland hat The Darkest Gold seinen großen Hype vor allem über BookTok bekommen, und 2025 wurde bekanntgegeben, dass der Stoff als Serie verfilmt werden soll.
Worum geht's?
Auren ist der "Sattel" – eine Art Konkubine für sexuelle Zwecke – von König Midas, dem Herrscher des sechsten Königreichs. Anders als die anderen Sättel genießt sie als seine Lieblingsgefangene einen gewissen Luxusstatus, ist aber trotzdem in einem goldenen Käfig gefangen. Die Welt ist politisch aufgeladen: Sechs Königreiche, ständige Machtkämpfe, dazu die Vorgeschichte eines untergegangenen siebten Reichs. Als Setting würden wir das Buch grob in einer an die Renaissance angelehnten Fantasywelt verorten – mit Mieder, Kutschen und Armeen, die sich mit Schwertern bekriegen.
Was uns am Buch überzeugt hat
Der Einstieg. Wir erleben die Szenen im Gemach des Königs nicht direkt aus der Ich-Perspektive der Sex-Szene, sondern quasi als Zuschauerin – ein Kniff, den wir für Dark Romance ausgesprochen gelungen finden. Wer Berührungsängste mit expliziten Inhalten hat, kann hier beruhigt einsteigen: Sex ist im Buch vorhanden, aber nie der eigentliche Fokus.
Der Schreibstil. Flüssig, klar, mit einem angenehmen Wechsel aus kurzen und langen Sätzen. Die Ich-Perspektive wirkt durch viele Dialoge und Handlung nie eintönig – ein Problem, das uns bei anderen Büchern in dieser Erzählform schon öfter genervt hat.
Die toxische Beziehung zwischen Auren und Midas. Kennedy gelingt es, nachvollziehbar zu machen, warum Auren sich Midas gegenüber trotz allem hingezogen fühlt, ohne dabei die emotionale Manipulation zu beschönigen. Man erkennt klassische Muster: Auren macht sich für Midas' Launen verantwortlich, fühlt sich ihm gegenüber dankbar, weil er sie einst von der Straße geholt hat – während er genau diese Dankbarkeit ausnutzt. Die Charakterentwicklung bleibt dabei angenehm subtil und wirkt nie zu modern oder zeitfremd für das Setting.
Nebenfiguren und Handlungsstränge. König Folke sorgt für echtes Unbehagen beim Lesen – ein widerlicher, aber überzeugend gezeichneter Antagonist. Auren wird von ihm als Statussymbol behandelt, was gleichzeitig ein weiteres Thema aufmacht: die soziale Isolation, die mit ihrer bevorzugten Stellung einhergeht. Sie hat kaum echte Verbündete – ihr Wächter Digby und später Siegel und Polly gehören zu den wenigen Lichtblicken. Gerade die Rettung von Polly und die langsam wachsenden Freundschaften auf der Reise fanden wir warmherzig und glaubwürdig erzählt.
Symbolik. Wiederkehrende Bilder – der Himmel, der Silberstreif, der goldene Käfig als Anspielung auf den Reihentitel – geben dem Buch eine poetische, doppeldeutige Ebene, die uns beim zweiten Lesen noch mehr aufgefallen ist als beim ersten. Auch die Widmung greift ein Motiv auf, das sich im Buch als roter Faden wiederfindet.
Die Triggerwarnung. Statt alle sensiblen Themen direkt auf den Schmutztitel zu drucken, verweist Kennedy dezent auf eine externe Website. Das empfinden wir als eleganten Mittelweg zwischen Fürsorge und ungewolltem Spoiler.
Dark-Romance-Elemente im Buch
Passend zu unserer vorherigen Genre-Folge lassen sich einige typische Dark-Romance-Bausteine wiederfinden: Gefangenschaft, Non-Con-Elemente (also nicht einvernehmliche Szenen) und eine grundsätzlich ungesunde Beziehungsdynamik zwischen Protagonistin und Love Interest. Besonders spannend fanden wir, wie Auren im Lauf der Handlung – durch die Distanz zu Midas und den Kontakt zu Polly und Siegel – anfängt, ihre eigene Situation und ihren moralischen Kompass zu hinterfragen. Ein Motiv, das sich fast wie eine literarische Auseinandersetzung mit dem Stockholm-Syndrom liest.
Unser Fazit
The Darkest Gold ist für uns beide ein klarer Pageturner mit durchdachtem Worldbuilding, nachvollziehbaren Charakteren und einer Handlung, in der wirklich jedes Element – auch die intimeren Szenen – die Story vorantreibt. Gerade weil Spice hier nicht im Vordergrund steht, eignet sich das Buch auch gut als Einstieg ins Dark-Romance-Genre. Ein Wermutstropfen: Der Cliffhanger am Ende lässt viele Fäden offen – Pflichtprogramm ist also klar Band zwei, den wir schon auf dem Nachttisch liegen haben.
Was uns beim gemeinsamen Lesen besonders viel Spaß gemacht hat: die unterschiedlichen Stellen, die uns beim Lesen aufgefallen sind, und der Austausch über Notizzettel im Buch. Wenn ihr noch nie ein Buddy Read gemacht habt – auf Plattformen wie StoryGraph oder in Buchclubs findet ihr leicht Lesepartner:innen, und wir können es nur empfehlen.
Ihr wollt mehr? Schreibt uns in die Kommentare, ob wir auch Band zwei von The Darkest Gold gemeinsam besprechen sollen – und ob ihr Lust auf eine Folge zu Throne of Glass hättet.
Hinweis: In der Podcast-Folge selbst sprechen wir ausführlicher über Details der Handlung inklusive Spoilern – eine entsprechende Warnung findet ihr am Ende der Episode und in den Shownotes.