Weil ich dich immer lieben werde – A.D. Wilks Rezension - Rezensionsexemplar
Als Leserin: Was bleibt
Ich lese Contemporary Romance mit einer gewissen Skepsis. Das Genre verspricht viel und liefert oft eine Version davon, die sich gut anfühlt, solange man liest, aber kaum nachhallt. "Weil ich dich immer lieben werde" von A.D. Wilks hat mich in dieser Erwartung überrascht, und zwar nicht weil es außergewöhnlich wäre, sondern weil es das leistet, was das Genre eigentlich immer leisten sollte und es selten tut: Es trifft.
Die Geschichte hat mich nicht beim Plot gepackt, sondern bei den Figuren. Und das, bevor das Buch emotional wird. Es gibt eine Geduld in der Einführung der Charaktere, eine Bereitschaft, Raum zu lassen, die ich im Genre nicht immer erlebe. Man lernt sie kennen, bevor man sie vermisst, und das macht den Unterschied zwischen einem Buch, das man liest, und einem, das bleibt.
Besonders Lily hat sich in mein Lesegedächtnis eingeschrieben. Sie ist mit so viel natürlicher Präsenz geschrieben, so wenig auf Wirkung kalkuliert, dass man sie einfach glaubt. Es gibt Momente in diesem Buch, an denen ich innehalten musste, nicht wegen Langeweile, sondern weil ich durchatmen musste. Das passiert mir selten, und ich notiere es hier bewusst.
Als Lektorin: Was stört
Ich mag dieses Buch, und gerade deshalb fällt mir auf, was nicht funktioniert.
Ein Handlungsstrang wirkt zu offensichtlich konstruiert. Er existiert, weil die Dramaturgie ihn braucht. Das Ziel dieses Strangs ist erkennbar, und das ist das Problem: Man sieht die Absicht, bevor man die Entwicklung erlebt. In einem Roman, der sonst so sorgfältig aus den Figuren heraus entwickelt ist, fällt das auf wie ein Fremdkörper.
Das ist ein Plotproblem, das ich im Lektorat häufig sehe. Die Autorin weiß, wo die Geschichte enden soll, und baut den Weg dorthin, statt ihn aus den Figuren wachsen zu lassen. Das Ergebnis ist eine Sequenz, die funktioniert, aber nicht atmet. Alle anderen Handlungselemente atmen. Dieser nicht.
Das mindert nicht das Gesamturteil, vier Sterne bleiben vier Sterne. Aber wer das Handwerk lesen kann, wird es bemerken, und ich fände es unehrlich, es zu verschweigen.
Als Autorin: Was ich mitnehme
Das Wichtigste, was ich aus diesem Buch mitnehme, ist eine Erinnerung ans emotionale Timing.
A.D. Wilks setzt Momente nicht willkürlich. Man spürt beim Lesen, dass die Figuren aufgebaut werden, bevor sie belastet werden, dass Raum gegeben wird, bevor etwas eingefordert wird. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Im eigenen Schreiben passiert es leicht, dass man zu früh emotional wird, dass man eine Wirkung haben will, bevor der Boden dafür bereitet ist.
Dieses Buch hat mich daran erinnert, dass emotionale Wirkung vor allem Geduld ist. Nicht mehr Adjektive, nicht mehr Dramaturgie, nicht schneller. Geduld. Ich habe das als Notiz für mein eigenes Manuskript mitgenommen, und das ist vielleicht das größte Lob, das ich einem Buch machen kann.
4 von 5 Sternen.