Throne of Glass – Die Erwählte | Rezension | Sarah J. Maas

Es gibt Bücher, die man jahrelang aus dem Weg geht, weil alle anderen sie so laut geliebt haben. Throne of Glass – Die Erwählte von Sarah J. Maas war lange so ein Buch für mich. Der Hype war zu groß, die Fangemeinde zu laut, und ich habe mit einer gewissen Berufsbedingtheit gewartet, bis sich der erste Sturm gelegt hatte. Mit der limitierten Sonderausgabe hat mich der Band jetzt eingeholt, und ich bin ehrlich froh darüber.

Als Leserin

Ich muss zugeben, dass mich Celaena Sardothien schneller in den Griff bekommen hat, als ich erwartet hatte. Nicht weil sie die gefährlichste Assassinin des Landes ist, sondern weil sie sich weigert, das zu sein, was man von einer Assassinin erwartet. Sie liest Bücher. Sie hat Meinungen über Kleider. Sie ist eitel, stur und gleichzeitig verletzlich, und diese Widersprüchlichkeit hat Maas über den gesamten ersten Band gehalten, ohne dass sie sich aufgelöst hätte. Das ist selten und es ist gut.

Die Atmosphäre des Glasschlosses funktioniert. Hofintrige, übernatürliche Bedrohung und persönliche Geschichte werden übereinandergelegt, ohne dass eines das andere erdrückt. Der Sog war da, die Seiten sind vergangen.

Was mich trotzdem aus dem Lesestrom gerissen hat, war das Liebesdreieck. Nicht grundsätzlich, denn in der Romantasy ist das ein bekanntes und legitimes Muster, sondern weil ich es zu früh erkannt habe. Celaenas Beziehung zu Dorian und Chaol entwickelt sich in vorhersehbaren Bahnen, und an einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, überrascht zu werden.

Als Lektorin

Handwerklich ist Throne of Glass ein interessantes Buch, weil man sehr deutlich sieht, wo das Potenzial liegt und wo es noch nicht eingelöst wurde.

Der stärkste Zug ist das Worldbuilding. Maas führt die Welt von Erilea durch Figuren und Handlung ein, nicht durch Erklärseiten. Das Magieverbot, die Geschichte der Königreiche, die Geheimnisse hinter dem Glasschloss, all das entfaltet sich organisch, und das ist keine Selbstverständlichkeit in der Fantasy.

Was mich dramaturgisch beschäftigt hat, ist der Wettkampf. Er ist das zentrale Versprechen des Bandes, und er enttäuscht nicht vollständig, bleibt aber unter seinen Möglichkeiten. Die anderen Kandidaten werden kaum als echte Bedrohung aufgebaut. Sie sind skizzenhaft, fast namenlos, und das nimmt dem Kern der Geschichte Dringlichkeit. Wenn Celaena nie wirklich bedroht wirkt, liegt das nicht daran, dass sie so überlegen ist, sondern daran, dass die Konkurrenz so wenig Kontur hat. Das ist ein Unterschied, der beim Schreiben relevant ist.

Die Plotlinie rund um die mysteriösen Morde ist gut eingeführt, verliert aber in der Mitte an Schärfe. Einige Wendungen ließen sich früh antizipieren, weil die Hinweisstruktur zu gleichmäßig verteilt ist. Was dagegen wirklich funktioniert, ist Celaenas Figurenstimme: konsistent, lebendig, glaubwürdig von Anfang bis Ende. Bei einer so widersprüchlich angelegten Protagonistin ist das keine Kleinigkeit.

Als Autorin

Als jemand, der selbst an einem Fantasymanuskript arbeitet, habe ich Throne of Glass mit einem anderen Fokus gelesen. Ich habe nachgeschaut, wie Maas etwas baut, an dem ich selbst noch arbeite: Worldbuilding, das nicht erklärt, sondern gezeigt wird.

Das ist das eigentliche Lehrstück dieses Bandes. Die Welt von Erilea wirkt nicht nur wegen ihrer Details, sondern weil sie durch Celaenas Geschichte erlebt wird, nicht umgekehrt. Diese Erzählhaltung, in der die Figur die Welt trägt und nicht die Welt die Figur, ist etwas, das ich mir für mein eigenes Schreiben mitnehme.

Was ich kritisch mitgenommen habe, ist die Frage der Bedrohlichkeit. Eine Protagonistin, die nie wirklich in Gefahr scheint, ist schwieriger emotional zu verankern als eine, die um etwas kämpfen muss, das sie verlieren kann. Der erste Band löst dieses Versprechen am Ende ein, aber der Weg dorthin hätte mehr echte Reibung vertragen.

Vier Sterne für einen Auftakt, der mehr verspricht als er einlöst, und das meine ich als Kompliment. Celaena bleibt. Die Welt öffnet sich. Und ich lese weiter.

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