Bridge Kingdom Band 2 – Rezension | Danielle L. Jensen

Als Leserin habe ich gelernt, dass Schreibstil allein mich nicht rettet, wenn etwas am Kern der Geschichte nicht stimmt. Danielle L. Jensen kann das in ihrer Bridge-Kingdom-Reihe eigentlich besonders gut: eine moralisch unübersichtliche Welt entwerfen, in der niemand wirklich die Hände in Unschuld waschen kann. Band 1 hat mich genau damit gepackt. Band 2, "Der Verrat der Königin", hat mich mit einer anderen Frage entlassen.

Als Leserin

Ich habe das Buch nicht weggelegt. Das muss ich zuerst sagen, weil es wichtig ist. Jensens Schreibstil hat diesen Rhythmus, dem man sich schwer entziehen kann, klar, direkt, mit einer Sogwirkung, die man entweder mag oder nicht. Ich mag sie. Die Spannung zwischen Lara und Aren trägt auch in Band 2, diese Frage, ob Vertrauen überhaupt möglich ist, wenn man so tief in Verrat verstrickt war, ist nach wie vor der emotionale Kern der Geschichte, und er funktioniert. Das Karibik-Setting bleibt atmosphärisch dicht, die Handlung hat Tempo, und es gibt Momente, in denen ich einfach nur mitgefiebert habe, ohne groß nachzudenken.

Aber dann kam dieses Gefühl, das sich langsam eingeschlichen hat und nicht mehr verschwunden ist. Das Unbehagen, einer Figur beim Triumphieren zuzusehen, das sich nicht ganz richtig anfühlt. Lara wird als Traitor Queen gefeiert, erlöst, zurückgeholt. Und ich habe mich beim Lesen gefragt: Haben die anderen eigentlich Fehler gemacht? Ja, haben sie. Aber das Buch scheint das anders zu gewichten. Und dieses Gefühl hat mich durch die zweite Hälfte begleitet, ohne mich ganz loszulassen.

Als Lektorin

Das ist das handwerkliche Problem, das ich in Band 2 nicht ignorieren kann: die Verteilung der moralischen Last. Jensen hat ein Ensemble aufgebaut, das in Band 1 wirklich funktioniert, weil niemand eindeutig im Recht ist. Alle haben Interessen, alle haben Entscheidungen getroffen, alle tragen Konsequenzen. Das ist gutes Figurenensemble-Handwerk.

In Band 2 kippt das. Laras Redemption Arc nimmt so viel Raum ein, dass die anderen Figuren kaum noch die Gelegenheit bekommen, ihre eigene Mitschuld wirklich zu verhandeln. Das führt zu einem Ungleichgewicht, das sich dramaturgisch bemerkbar macht: Aus einer Geschichte mit moralischer Vielschichtigkeit wird zunehmend ein Heldinnendrama. Laras Fehler werden benannt, getragen und verziehen. Die Fehler der anderen Figuren verschwinden dabei fast geräuschlos.

Das ist eine Entscheidung, die ich als Lektorin verstehe, Redemption Arcs verkaufen sich, sie geben dem Publikum, was es emotional braucht. Aber sie kosten hier etwas, nämlich die Komplexität, die dieses Ensemble so interessant gemacht hat. Wenn alle Fehler gemacht haben, müssen alle Fehler auch Gewicht haben. Sonst ist die versprochene moralische Grauzone am Ende doch nur eine einfachere Geschichte in ausgefeilterer Verkleidung.

Als Autorin

Ich arbeite selbst gerade an einem Romanprojekt, in dem ich mehrere Perspektiven jongliere und versuche, niemanden zu einfach zu machen. Jensens Band 2 hat mich dabei etwas gelehrt, allerdings auf die kritische Art. Er hat mir gezeigt, wie schnell ein Ensemble kippt, wenn man der Protagonistin zu viel Erzählraum gibt, ohne die anderen Figuren proportional zu entwickeln. Die Leserin in mir fiebert mit. Die Autorin in mir fragt, was die anderen Figuren verloren haben, damit Lara gewinnen kann, und ob das die Geschichte ist, die Band 1 versprochen hat.

Was Jensen dabei bleibt: dieser Schreibstil, der mich als Schreibende jedes Mal neu fasziniert. Die Entscheidung, wenig zu erklären und viel zu zeigen, die Dialogführung, die Ökonomie im Umgang mit emotionalen Momenten. Das sind Dinge, an denen ich mich immer wieder orientiere. Nur diesmal hat das Handwerk nicht verhindern können, dass ich mit einem schiefen Gefühl am Ende angekommen bin.

3,5 von 5 Sternen für ein Buch, das stilistisch überzeugt und emotional mitreißt, aber dramaturgisch einen zu bequemen Weg wählt. Empfehlenswert für alle, die Enemies-to-Lovers-Romantasy mit echtem Tempo mögen. Mit dem Vorbehalt, dass Band 2 nicht ganz hält, was Band 1 moralisch versprochen hat.

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Die Mitternachtsreise – Matt Haig | Rezension - Rezensionsexemplar

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Bridge Kingdom von Danielle L. Jensen – Rezension