A Killer Crush – Shailee Thompson – Rezension - selbst gekauft

Es gibt Bücher, die funktionieren auf dem Papier nicht. Drei Genres gleichzeitig, ein absurdes Setup, ein Liebesdreieck unter Mordverdacht. Und trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, hat mich A Killer Crush von Shailee Thompson so erwischt, dass ich danach kurz nachschauen musste, ob es noch andere Bücher von ihr gibt.

Als Leserin

Ich wollte reinlesen. Nur kurz schauen, ob das Buch hält, was der Klappentext verspricht. Zwei Stunden später war ich fertig. Nicht fertig im Sinne von: Ich hab abgebrochen, sondern fertig im Sinne von: Das Buch war aus und ich hatte immer noch nicht kapiert, wann genau es mich so vollständig vereinnahmt hat.

Das Szenario ist bekloppt auf die beste Art. Jamie geht zum Speed-Dating, eigentlich nur für die Anekdoten. Dann stirbt ihr Date. Dann stellt sich heraus, dass alle eingeschlossen sind. Und dann verliebt sie sich. Oder beginnt es zumindest. In zwei Männer. Von denen einer vielleicht ein Mörder ist.

Was mich als Leserin mitgerissen hat, war nicht der Plot an sich, es war das Tempo. Das Buch lässt mich nie lang genug innehalten, um zu fragen, ob ich das alles für plausibel halte. Und die Wendungen am Ende? Hab ich komplett verpasst. Weil ich zu sehr in der Romanzenebene steckte. Das ist genau das, was ein Buch tun soll.

Als Lektorin

Hier wird es interessant. Denn in mir hatte die Lektorin während des Lesens fast Pause, was selten vorkommt und eigentlich das höchste Lob ist, das ich vergeben kann.

Was Thompson handwerklich gelingt, ist die Vermeidung der größten Gefahren eines Genremix: Die Genres schaden sich nicht gegenseitig. Der Humor entschärft nicht die Spannung, und die Spannung vergiftet nicht die romantische Chemie. Das ist schwieriger, als es klingt, weil man als Autorin ständig in Versuchung ist, eine Ebene zu privilegieren und die anderen als Hintergrundstrahlung laufen zu lassen. Thompson tut das nicht.

Die Filmbezüge der Protagonistin sind dabei das stärkste strukturelle Mittel des Buches. Jamie denkt in Genres, sie hat ein inneres Vokabular für Spannungsbögen und Figurenkonstellationen, und das Buch nutzt das, um sich selbst zu kommentieren. Das ist eine Form von metafiktionaler Leichtigkeit, die in anderen Händen schnell nervig werden kann. Hier funktioniert es, weil es immer dienend bleibt.

Wenn ich einen Punkt nennen würde, an dem ich als Lektorin nachgehakt hätte: die Nebenfiguren der eingeschlossenen Gruppe. Das Setting hat Potenzial für mehr psychologische Dichte, für echtes Misstrauen, das sich entwickelt und verändert. Das wird teilweise eingelöst, aber nicht vollständig. Eine vertiefte Dynamik innerhalb der Gruppe hätte den Thriller-Anteil nochmal geschärft. Das ist aber eine Anmerkung im Randbereich, kein strukturelles Problem.

Das Liebesdreieck trägt echte emotionale Logik, was für das Genre keine Selbstverständlichkeit ist. Beide Interessen haben eigenständige Präsenz und eigenständige Funktion im Plot, keiner von beiden wirkt wie ein Platzhalter.

Als Autorin

Als jemand, der selbst schreibt und weiß, wie schwer es ist, Ton zu halten, habe ich dieses Buch mit einem leichten Neid gelesen.

Thompson zeigt, was es bedeutet, das eigene Genre zu kennen und es dann aktiv zu nutzen. Jamie ist nicht zufällig filmbesessen, diese Figur ist so konstruiert, dass sie dem Buch erlaubt, über sich selbst nachzudenken. Das ist das, was ich als Autorin am meisten mitnehme: Die Innenperspektive einer Figur kann mehr sein als Charakterisierung. Sie kann Kommentar, Struktur und Selbstreflexion des Textes sein, wenn man sie konsequent einsetzt.

Außerdem: Mut im Genre zahlt sich aus. A Killer Crush hätte auf dem Weg von der Idee zur fertigen Seite an jedem Punkt scheitern können. Zu absurd, zu gemischt, zu viel auf einmal. Dass es nicht scheitert, liegt nicht an Glück, es liegt daran, dass jemand sehr genau gewusst hat, was sie schreibt und warum.

5 von 5 Sternen. Ich hab keine Reue, und ich empfehle es allen, die Genregrenzen für Vorschläge halten.

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